Diese Einzellerfamilie stellt die häufigste Form der in Boden und Wasser vorkommenden Amöben dar. Bevorzugt besiedeln sie stehende und langsam fließende Gewässer, Süß- wie auch Brackwasser. Im Boden lebende Formen sind oft mit bestimmten anaeroben Bakterienstämmen vergesellschaftet. Normalerweise ernähren sich diese Tiere von Bakterien und Wasser- oder Bodenpilzen und stellen für einen gesunden Menschen keine Gefahr dar.
Die Einzeller sind mikroskopisch von anderen Amöben anhand ihrer stachelig erscheinenden Auswüchse entlang der Zellmembran zu unterscheiden. Die typisch variierende Körperform und zur Fortbewegung ausstülpbare Scheinfüßchen sind typisch für die meisten Familien der Amöben. Unter widrigen Bedingungen wie Trockenheit kommt es zur Encystierung, die Acanthamoeben können sich also innerhalb einer verdickten Zellmembranabscheidung 'einmauern', bis die Lebensbedingungen sich wieder verbessern.
So wie sehr viele andere Krankheitserreger sind Acanthamöben Opportunisten und im Normalfall ungefährlich für den Menschen. Geringer Infektionsdruck kann vom menschlichen Immunsystem ohne weiteres unschädlich gemacht werden. Im Falle eines geschwächten Immunsystems können sich dagegen schwerwiegende und ernsthafte Krankheitsbilder entwickeln - unter den Begriff Acanthamöbiasis fallen etwa die Acanthamöbenkeratinitis oder die granulöse Amöbenencephalitis.
Von der Keratinitis sind insbesondere Kontaktlinsenträger betroffen - kontaminierte Reinigungsflüssigkeit der Haftschalen kann Acanthamöben enthalten, welche sich in die Hornhaut bohren können und dort Augenentzündungen verursachen. Wenn die Erreger über Haut- oder Schleimhautläsionen in den Blutkreislauf gelangen können sie im Fall eines schwachen Immunsystems bis ins Gehirn vordringen und dort einen meist letalen Krankheitsverlauf auslösen. Bei sehr hohem Infaktionsdruck kann es gefährlich sein die encystierten Stadien einzuatmen. Durch die trockene Luft breiten sich die leichten Überdauerungsstadien mit der Luftbewegung leicht aus - mitunter bleiben sie dann auf der Nasenschleimhaut eines Menschen kleben, von wo sie sich über den Riechnerv bis ins Gehirn ausbreiten können.